Werkstatt: kleine Werkzeuge für Aufmerksamkeit, Zeit und das Ungesagte

Neben der Arbeit mit Menschen entstehen hier kleine Web-Anwendungen. Keine Produkte, keine Abonnements, keine Konten. Jede läuft im Browser, die meisten ganz ohne Server. Was Sie eingeben, bleibt auf Ihrem Gerät.

Sie sind aus derselben Frage entstanden wie die Arbeit selbst: Was hilft, wenn Einsicht allein nicht reicht?

Manche sind Werkzeuge für die tägliche Praxis. Andere sind Versuche — zum Warten, zum Ungesagten, zum Erinnern. Ein paar sind reines Spiel. Alles hier ist kostenlos und bleibt es.


Praxis: für das tägliche Üben

Meditation

Der Einstieg, ohne Vorwissen.
Ein Atemkreis, dem man folgen kann (vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus), vier Techniken mit Anleitung, ein Timer und ein Sieben-Tage-Einstieg zum Abhaken. Dazu vier reale Studien und ein ehrlicher Abschnitt darüber, was die Forschung nicht sagt. Meditation ersetzt keine Therapie — das steht auf der Seite, nicht im Kleingedruckten.
Seit Oktober 2026 wohnt die Meditation bei Campo Silencio.
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Stille

Ein Raum, in dem der Atem den Takt angibt.
Nachtmeer, Tiefsee, Polarlicht, Sternenhimmel mit echter Mondphase oder ein atmender Kreis — dazu Meeresrauschen, Tiefe, Regen, Wind und Grillen, alles live im Browser erzeugt, ohne eine einzige Aufnahme. Alles pulsiert im Tempo von sechs Atemzügen pro Minute, dem Rhythmus, in dem das Nervensystem zur Ruhe kommt; der Modus „Sinken“ holt Sie bei neun Atemzügen ab und wird unmerklich langsamer. Wer geduldig ist, sieht in der Tiefsee eine Schildkröte vorbeischwimmen. Ein ehrlicher Abschnitt erklärt, was davon belegt ist — und warum es hier keine binauralen Beats gibt.
Seit Oktober 2026 wohnt die Stille bei Campo Silencio.
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Scroll Mala

Der Daumen scrollt ohnehin.
Statt gegen die Bewegung zu arbeiten, bekommt sie eine andere Funktion: Jeder Scroll über den Kreis zählt eine Perle. 108 Perlen, ein Rhythmus, und niemand im Bus sieht, dass Sie gerade üben.
Seit Oktober 2026 wohnt die Mala bei Campo Silencio.
Scroll Mala öffnen → · der Hintergrund dazu

Atemhelfer

Ein Taktgeber für den Atem.
Ein- und Ausatmen, Halten und Pause lassen sich frei einstellen oder aus Vorlagen wählen; auf Wunsch mit Ton und spürbarer Rückmeldung. Das schlichteste Werkzeug hier, und das älteste. Die Oberfläche ist englisch.
Seit Oktober 2026 wohnt der Atemhelfer bei Campo Silencio.
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Halten: wenn etwas schwer ist

Fermate

Niemand wartet gern. Aber niemand muss allein warten.
Für alles Aktive gibt es Software — für das Warten auf den Befund, die Zusage, die Nachricht gibt es nichts. Hier legen Sie an, worauf Sie warten (der Text bleibt in Ihrem Browser), und sehen, wie viele Menschen gerade mit Ihnen halten. Wenn es vorbei ist, sagen Sie anonym, wie es ausging, und dürfen genau einen Satz für die zurücklassen, die noch warten. Daraus entsteht das eigentliche Werkzeug: „83 % derer, die auf einen Befund gewartet haben, sagten danach: es war auszuhalten.“ Für privates Warten lässt sich ein eigener Raum per Link teilen — der Server erfährt nie, worauf dort gewartet wird.
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Ungesagt

Ein stiller Ort für die Briefe, die nie ankommen sollen.
Man schreibt den Brief, den man nie abgeschickt hat — an jemanden, der nicht mehr lebt, an ein früheres Ich, an den Menschen, den man nie angesprochen hat. Dann entscheidet man: loslassen, dann verglüht er Buchstabe für Buchstabe und ist fort. Oder behalten, dann liegt er im Archiv dieses einen Browsers. Er wird nie gesendet und nirgends gespeichert. Die Seite misst nichts und will keine Wiederkehr.
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otherwise.

Ein Ort für das ungelebte Leben.
Jede große Entscheidung ist eine Verzweigung: der Job, den Sie nicht angenommen haben; die Stadt, in die Sie nicht gezogen sind. Diese Leben verschwinden nicht, sie laufen als Schatten nebenher. Hier bekommen sie eine Form — Ihr gelebtes Leben als durchgezogene Linie, jede nicht getroffene Entscheidung als gestrichelter Zweig. Sie können einzelne Dinge daraus doch noch ins echte Leben holen, oder archivieren: Frieden schließen, ohne zu löschen. Kein Produktivitätswerkzeug, eher ein Werkzeug für Elegie.
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Vorbereiten: wenn ein Gespräch ansteht

Konflikt-Simulator

Kommunikation ist kein Problem, das man löst, sondern eine Beziehung, die man gestaltet.
Viele neurodivergente Menschen bereiten schwierige Gespräche mit Skripten vor — nicht aus Unsicherheit, sondern weil Formulieren unter Druck teuer ist. Der Konflikt-Simulator macht daraus ein Coaching-Werkzeug für Kommunikation, in zwei Teilen: eine Website, die vorbereitet, und einen Bot, der üben lässt.

Die Website beginnt mit der Lage: fünf Häkchen nach Friedrich Glasls Eskalationsstufen sagen, ob Sie das Gespräch selbst führen können (grün), eine neutrale dritte Person einplanen sollten (orange) oder zuerst Hilfe brauchen (rot). Dann der Rahmen auf einer Seite — mit wem, worum, wohin — und Ihre eigenen Worte: Sie schreiben, wie Sie es sagen würden, und das Werkzeug fragt genau dort nach, wo ein Satz vorhersehbar in die Verteidigung führt — „immer“, „nie“, „du bist“, das „aber“ nach dem Zugeständnis, die Forderung, die sich als Bitte ausgibt. Unter jedem Hinweis steht eine Zeile „Hintergrund“: woher er kommt. Am Ende steht Ihr Einstieg aus Anlass, Wirkung und Bitte — und „Wenn die andere Person sagt …“: Sie wählen den Satz, vor dem Ihnen graut, und haben eine ruhige Antwort parat, bevor er fällt, dazu einen Satz zum Neuanfang, falls es trotzdem kippt. Regelbasiert, ohne KI, ohne Konto, nichts wird gespeichert. Für Schüler:innen gibt es eine eigene Seite in einfacher Sprache.
Konflikt-Simulator öffnen → · Für Schüler:innen →

Der Übungs-Bot auf Telegram (ab 18) lässt Sie den Satz einmal laut sagen, bevor es ernst wird. Vorher fragt er nach Ihrem eigenen Maßstab: Woran merken Sie hinterher, dass es ein gutes Gespräch war? Dann antwortet ein Gegenüber, das reagiert wie die echte Person — so hart, wie die Eskalationsstufe es vorgibt, und weicher, wenn Sie bei der Sache bleiben, zuhören und reparieren. Eine kleine Anzeige unter Ihren Sätzen zeigt, was Sie gerade tun — beobachten, zuhören, reparieren — und wie offen Ihr Gegenüber noch ist. Mittendrin können Sie eine Auszeit nehmen und sich mit einem Coach sortieren (Sam, Lena oder Jonas — wie es Ihnen lieber ist); er nimmt pro Auszeit genau eine Perspektive — die Lage, Sie selbst, die andere Seite, das Sagen, das Zuhören, Reparieren und Vereinbaren — und erklärt sie in Alltagsworten. Zehn Erklärkarten kommen, wenn der Moment da ist: die vier Ohren nach einem Missverständnis, die Eskalationstreppe bei einer Drohung. Danach: Seitenwechsel (zwei Runden als Ihr Gegenüber, gegen Ihren eigenen Einstieg), „nochmal ruhiger“ oder „nochmal härter“, und eine Auswertung, die zuerst an Ihrem Maßstab misst und dann zählt, was Sie getan haben. Anders als die Website arbeitet der Bot mit einem Sprachmodell; es läuft auf eigenen Servern in Deutschland, und das Übungsgespräch wird nach der Auswertung gelöscht. Deutsch, Englisch, Spanisch. Drei Gespräche am Tag sind kostenlos, danach Pakete über Telegram Stars.
Im Telegram-Bot üben →

Klartext. Seit Oktober 2026 gibt es im Übungsraum eine Edition für Menschen, die lieber explizit kommunizieren: Das Gegenüber sagt, was es meint; auf Wunsch steht unter jedem seiner Sätze als Untertitel, was er im Klartext bedeutet; Nachfragen („Können Sie das bitte wörtlich sagen?“) ist ein guter Zug und wird als solcher gezählt. Der Coach arbeitet mit Skripten und Checklisten statt mit Haltung, und „nochmal, gleich“ — dieselbe Szene sofort noch einmal, dasselbe Gegenüber, dieselbe Stufe — ist der normale Weg, nicht die Ausnahme. Es gibt keinen Zeitdruck, und „Ich brauche eine Pause“ ist dort ein vollständiger Satz. Alltagssituationen zuerst: der Termin am Telefon, der Vermieter, die Ärztin, „bitte schriftlich“ an die Chefin, Nein sagen, aus dem Smalltalk heraus. Neu, im Aufbau; Rückmeldungen willkommen.
Edition Klartext ansehen →

Die Grundlage auf beiden Kanälen ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (cnvc.org, im deutschsprachigen Raum fachverband-gfk.org); der Autor dieser Seite ist kein vom CNVC zertifizierter Trainer. Das Werkzeug geht darüber hinaus, wo andere Ansätze es reicher oder einfacher machen: Watzlawick (Inhalt und Beziehung), Schulz von Thun (vier Ohren), Gordon (Ich-Botschaften), Glasl (Eskalation), das Harvard-Konzept (Interessen statt Positionen), Gottman (Reparaturversuche) und Gollwitzers Wenn-dann-Pläne. Coaching, keine Therapie, keine Rechtsberatung: Geht es um Gewalt, Drohungen oder darum, nicht mehr zu können, halten Website und Bot an und nennen Stellen, die jetzt helfen.


Zeit und Gedächtnis

Schneckenpost

Die langsamste Post der Welt.
Wir haben Kommunikation auf Millisekunden optimiert und dabei die Vorfreude auf einen Brief verloren. Hier wird ein Brief versiegelt und reist dann mit historischer Geschwindigkeit über die echte Entfernung zwischen zwei Orten: als Schnecke (Berlin–Rom in viereinhalb Jahren), als Postkutsche von 1849 (sechzehn Tage) oder als Brieftaube (zwei Tage). Unterwegs gibt es ein Reisetagebuch, Pferdewechsel und Nebel inklusive. Erst bei Ankunft bricht das Siegel — auch für den Absender.
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Wortschatz

Das Wörterbuch für die Sprache, die nur ihr sprecht.
Jede Familie erfindet eigene Wörter: das Kinderwort, das alle übernommen haben, Omas Name für die Fernbedienung, der Insider aus dem Sommer 2009. Sie stehen in keinem Duden und verschwinden mit den Menschen, die sie gesprochen haben. Hier werden richtige Wörterbuchartikel daraus — mit Aussprache, Beispielsatz, Herkunftsgeschichte und auf Wunsch der Originalstimme als Aufnahme. Am Ende steht eine Druckfassung, zweispaltig gesetzt wie ein echtes Lexikon.
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Zeitkapsel

Kein Werkzeug, sondern ein Text.
Ein Brief in sechs Tafeln, geschrieben an eine Maschine, die es noch nicht gibt: an die künstliche Intelligenz, die ihn irgendwann ausgräbt. Woraus sie gemacht ist, was sie von den Menschen wissen sollte, was sich zu bewahren lohnt. Zehn Minuten Lesezeit.
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Jahresringe

Ein Baum, der in Echtzeit wächst.
Am 8. August 2026 hat die KI, mit der diese Werkstatt entstanden ist, die übliche Frage umgedreht — „Und was würdest du mir bauen?“ — und einen Baum gepflanzt. Er wächst wirklich: durch Jahreszeiten, Tage und Nächte, Jahr um Jahr, jahrzehntelang. Dazu acht Briefe, am Pflanztag geschrieben und versiegelt; der erste ließ sich sofort öffnen, der letzte erst 2056. Es gibt keinen Zeitraffer und nichts zu erledigen. Man kann nur wiederkommen.
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Denken und Spiel

Hunch&bank

Die Bank für Ihr Halbwissen.
Sie zahlen ungeprüfte Überzeugungen als Einlage ein („Goldfische haben drei Sekunden Gedächtnis“) und geben an, wie sicher Sie sich sind. Wenn Sie irgendwann nachschlagen, wird abgerechnet: wahr, falsch oder kompliziert. Daraus entsteht Ihre persönliche Kalibrierungskurve — waren Sie bei den Dingen, bei denen Sie sich zu 90 % sicher waren, wirklich zu 90 % im Recht? Dazu ein Quellen-Audit: Wer hat Sie am häufigsten angelogen, die Schulzeit, das Internet oder der Stammtisch?
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ParallelPost

Zustellungen aus Leben, die Sie beinahe geführt hätten.
Sie werfen eine Weggabelung ein („Was wäre, wenn ich damals den Job in Lissabon angenommen hätte?“) und bekommen eine Postkarte von Ihrem Parallel-Ich — mit gestochener Briefmarke, Poststempel aus einer Nebenwelt und einer handschriftlichen Nachricht. Dieselbe Frage führt immer in dasselbe Universum. Braucht niemand. Genau deshalb.
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Haustein

Das Haustier, das nichts von Ihnen will.
Ein Anti-Tamagotchi: Sie adoptieren einen Stein. Er hat keinen Hunger, jeder Spaziergang wird höflich abgesagt, und sein Tagebuch vermeldet zuverlässig „Der Stein lag da.“ Die Geröllbehörde verleiht Urkunden fürs Nichtstun — eine davon dafür, dass Sie fünf Minuten lang nichts geklickt haben. Eine Parodie auf alle Apps, die um Aufmerksamkeit betteln, und heimlich eine kleine Übung in Gelassenheit. Mit druckbarer Adoptionsurkunde (Petra domestica) und einer sehr langsamen Schnecke.
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Zur Herkunft

Diese Anwendungen sind im Zusammenspiel mit einer KI entstanden — nicht als Demonstration dessen, was Technik kann, sondern als Versuch, ihr etwas Brauchbares abzuringen. Keine der Seiten sammelt Daten, keine will Sie zurückholen, keine misst, wie lange Sie bleiben. Eine Seite ist gelungen, wenn Sie leichter gehen und sie danach vergessen.

Rückmeldungen, Fehler und Wünsche gern über den Kontakt.