Tag 3 – Zählen in der Stille

Lesedauer: 3 Minuten

Der Weg zur Gelassenheit eines taoistischen Meisters

Gedanken sind wie neugierige Kinder – sie wollen ständig Aufmerksamkeit. Sie drängen sich in den Vordergrund, wenn wir versuchen, still zu sein. Die taoistische Weisheit lehrt uns, dass wir sie nicht bekämpfen müssen. Stattdessen können wir ihnen eine sanfte Aufgabe geben: Indem wir unseren Atem zählen, lenken wir unseren Geist auf eine simple, meditative Tätigkeit.

„Der Geist folgt dem Atem, wie ein Kind der Hand seiner Mutter folgt.“

Zählen: Ein Anker für den unruhigen Geist

In unserer hektischen Welt ist der Geist daran gewöhnt, von einer Sache zur nächsten zu springen. Das macht es ihm schwer, sich auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren. Die Übung des Atmens und Zählens wirkt wie ein sanfter Anker. Es ist eine einfache, aber kraftvolle Technik, die es dem Geist ermöglicht, den endlosen Gedankenstrom zu unterbrechen und in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren. Es ist der erste Schritt zur bewussten Konzentration.

Die Philosophie dahinter: Die Lenkung des Qi

Im Taoismus geht es nicht nur darum, den Geist zu beruhigen, sondern die Lebensenergie, Qi, zu lenken. Der Geist (Yi) ist die Absicht, die das Qi lenkt. Wenn du deinen Geist darauf fokussierst, deinen Atem zu zählen, gibst du dem Geist eine klare Aufgabe und lenkst so dein Qi in einen ruhigen, harmonischen Fluss. Es ist ein Akt der bewussten Kultivierung, der über die reine Entspannung hinausgeht und eine tiefere Verbindung zu deiner inneren Kraft schafft.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Die Praxis des Zählens, oft Teil von Konzentrationsmeditationen, hat nachweisliche Vorteile für die Gehirnfunktion. Sie stärkt die neuronale Fähigkeit zur selektiven Aufmerksamkeit. Wenn du zählst, trainierst du dein Gehirn, Ablenkungen auszublenden und im Fokus zu bleiben. Dies führt nicht nur zu tieferer Entspannung während der Übung, sondern verbessert auch deine Fähigkeit, im Alltag konzentrierter und gelassener zu sein. Es ist eine mentale Stärkung, die Frieden in deinen Geist bringt.

Deine tägliche Übung: Atmen und Zählen

Diese Übung hilft dir, deinen Geist zu beruhigen und zu zentrieren.

  1. Vorbereitung: Setze dich bequem hin. Richte deine Wirbelsäule aufrecht aus. Schließe deine Augen sanft, um äußere Ablenkungen zu reduzieren.
  2. Einatmen: Atme sanft durch die Nase ein und spüre, wie dein Bauch sich hebt. Zähle dabei innerlich „eins“.
  3. Ausatmen: Atme langsam aus. Zähle innerlich „zwei“.
  4. Wiederholen: Wiederhole den Zyklus, indem du beim Einatmen „drei“ und beim Ausatmen „vier“ zählst, bis du bei „zehn“ angekommen bist.
  5. Neu starten: Wenn du bei zehn angekommen bist, starte wieder bei „eins“. Wenn du dich in Gedanken verlierst, kehre einfach liebevoll zu „eins“ zurück.

Alternative Zähltechnik: Um die Konzentration zu fordern, kannst du auch von 10 rückwärts bis 1 zählen. Atme ein (10), atme aus (9), bis du bei 1 angekommen bist.

Führe diese Übung 5 bis 10 Minuten lang durch.

Wenn der Geist abschweift: Die Kraft der Rückkehr

Es ist ganz normal, dass dein Geist während der Übung wandert. Das ist kein Misserfolg, sondern eine Gelegenheit, Achtsamkeit zu üben. Jedes Mal, wenn du bemerkst, dass du dich in Gedanken verloren hast, und dann sanft zum Zählen zurückkehrst, stärkst du den „Muskel der Achtsamkeit“. Es ist der Moment der liebevollen Rückkehr, der zählt, nicht die perfekte Konzentration.

Deine tägliche Reflexion und Ausblick

Nutze die folgenden Fragen, um deine Erfahrung zu vertiefen.

  • Fiel es dir schwer, dich auf das Zählen zu konzentrieren, oder konntest du dich leicht fokussieren?
  • Welche Erkenntnisse hast du über die Natur deiner Gedanken gewonnen?
  • Wie könnte dir diese Zähltechnik helfen, wenn du im Alltag einen Moment der Klarheit brauchst?

Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren und sei bereit für Tag 4, an dem wir lernen, wie wir mit dem Atem Energie entlang der Wirbelsäule spüren können

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